Das Französische Institut für Geopolitik
Präsentation
Über die Bedeutung geopolitischer Fragestellung
Die generelle Wichtigkeit geopolitischer Fragestellungen wird heute kaum noch in Zweifel gezogen. Der Begriff der « Geopolitik » spielt heute in verschiedenen Disziplinen eine bedeutende Rolle: nicht nur in der Geografie, auch in anderen Disziplinen wie der Ökonomie, Geschichte und Rechtsgeschichte gewinnen geopolitische Fragestellungen zunehmend an Bedeutung.
Der Begriff « Geopolitik » wird heute verwendet um sehr verschiedene Situationen darstellen zu können. Die Spannungen zwischen Indien und Pakistan und die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern werden ebenso unter geopolitischem Aspekt betrachtet wie der korsische Nationalismus und die Auseinandersetzungen in den Banlieues. Hierbei handelt es sich um wichtige zeitgenössische Ereignisse, die schwierige Konflikte verursachen oder auch zu politischen Entscheidungen mit teilweise weitreichenden Konsequenzen für ein Land führen können.
Die Geopolitik ist eine Methode die zeitgenössischen Probleme der Welt zu analysieren. Sie versucht konkrete Situationen möglichst genau zu erfassen und zu beschreiben ohne sie zu vereinfachen. Der Wille dem Leser die Mittel zur Verfügung zu stellen die Schwierigkeiten, Kontradiktionen praktischer und theoretischer Natur, die in der Komplexität jeder Situation enthalten sind, ist ein Schritt, der die Qualität der politische Diskussion in Frankreich bereichern soll.
Eine französische Schule der Geopolitik in Paris 8
Die Disziplin Geopolitik wurde an der Universität Paris 8 etabliert mit Hilfe der Redaktion der Zeitschrift Hérodote, die aus Studenten und Lehrkräften von Vincennes bestand. Die erste Ausgabe von Hérodote erschien im Jahr 1976 mit Unterstützung von François Maspero. Diese in Paris 8 auf Initiative von Yves Lacoste durch eine kleine Gruppe gegründete Zeitschrift ist heute mit einer Auflage von 3500 und einer Abonnentenzahl von 1200 die größte Zeitschrift für Geografie und Geopolitik in Frankreich.
Im Jahr 2006 feierte Hérodote seinen 30. Geburtstag. Noch heute ist Yves Lacoste Chef einer Redaktion, die aus Lehrkräften und Forschern der Universität Paris 8 sowie aus ehemaligen Mitgliedern dieser Universität besteht.
Seit 1982 trägt die Zeitschrift den Untertitel « Zeitschrift für Geografie und Geopolitik », seit 1989 kann an der Universität Paris 8 auch der Abschluss « DEA » im Fach Geopolitik erworben werden. Die Nachfrage nach dieser Ausbildung war sehr stark: Innerhalb von zehn Jahren wurden am Institut für Geopolitik 250 Diplome vergeben und 50 Doktorarbeiten verteidigt. Aktuell promovieren 64 Nachwuchswissenschaftler am Institut.
Heute bietet das IFG einen Masterstudiengang an, der sowohl in Richtung Forschung als auch in Richtung professioneller Berufstätigkeit spezialisiert werden kann. Die Studierenden kommen sowohl aus Frankreich wie auch aus dem Ausland (Russland, Ungarn, Mexiko, Zentralasien, Taiwan, Brasilien, Korea etc.).
Interdisziplinäre und räumliche Analyse
Die Ausblidung am IFG hatte von Beginn an interdisziplinären Charakter, da sowohl die jungen Forscher als auch die Lehrkräfte des Instituts aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zusammenkommen. So arbeiten und forschen Politologen, Geographen, Historiker, Juristen, Ökonomen und Vertreter anderer Fachdisziplinen am IFG. Wir denken, dass diese Vielfalt für unsere Fragestellungen unverzichtbar ist.
Die Fähigkeit geografische Zusammenhänge zu betrachten ist notwendig um ein Verständnis für geopolitische Probleme entwickeln zu können weil politische Konflikte sich immer im Zusammenhang mit den Territorien, auf denen sie stattfinden, manifestieren.
Die Geopolitik in der Geschäftswelt
Das IFG stellt Unternehmen, die sich in Regionen in schwieriger geopolitischer Situation entwickeln wollen eine Fülle verschiedener Ressourcen zur Verfügung.
Weiterhin interessieren sich die Entscheidungsträger der Geschäftswelt auch für lokale Situationen, in denen geopolitische Fragestellungen von Bedeutung sind. Man kann sagen, dass die Entwicklung der Demokratie und die Sensibilisierung der Bevölkerung auch für umweltpolitische Fragen einen neuen Kontext entstehen ließ, indem sowohl politische als auch geopolitische Fragestellungen eine Rolle spielen. Die Frage nach der Regulierung von Konflikten zwischen Geschäftswelt und Umwelt, vor Allem in Bezug auf die Raumordnung im urbanen Raum ist zu einer wichtigen Herausforderung für die Unternehmen und ihre Entscheidungsträger geworden.
Das lokale Umfeld
Eine der Besonderheiten des IFG ist die Beschäftigung auch mit eher lokalen Fragen unter geopolitischem Gesichtspunkt. Die Dezentralisierungsgesetze haben die Kompetenzen der kleineren Verwaltungseinheiten (Kommunen, Départements, Regionen) erhöht und stellen die Mandatsträger vor die Herausforderung sich mit neuen, eventuell konfliktbeladenen, Entwicklungen im Bereich der Raumordnung auseinandersetzen zu müssen. Die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kommunen führt zu neuen internen Konflikten innerhalb des kommunalen Verbandes bzw. Konflikten mit einer neuen Struktur: kommunaler Verband vs. kommunaler Verband. Weiterhin entstehen natürlich auch Konflikte zwischen den Kommunen und übergeordneten Instanzen wie z.B. den Regionen. Auch aufgrund des wachsenden Einflusses europäischer Gesetzgebung und Finanzierungsvermittlung sind die Akteure gezwungen neue Strategien für die Lösung lokaler territorialer und politischer Konflikte zu entwickeln.